31. August – 04. September 2011

 

Es wird spannend, wir nähern uns dem Pass von Maupiti ganz im Süden der Lagune. Dies ist die einzige Öffnung im Riff, durch die man mit einem Schiff in die Lagune gelangen kann. Der Haken ist, dass der Pass im Süden ist und der pazifische Schwell zu dieser Jahreszeit aus südlichen Richtungen kommt. Wenn die Wellen höher als 2m angesagt sind, wird nicht empfohlen in den Pass zu fahren, da gefährliche Brecher entstehen. Als es in der Lagune von Bora Bora so gurgelte, da stand ein Schwell von 5-6m aus Südwest auf dem Pazifik. Wir haben aber so lange in Bora Bora ausgeharrt um die passenden Bedingungen für den Pass in Maupiti zu haben. So ist die Welle unter 2m und der Wind macht gerade die Bedingungen nicht gefährlicher, es ist nämlich keiner. Trotzdem sind wir gespannt, denn die Öffnung, die sich zwischen den Brechern auf dem Riff auftut, ist klein. Wir wissen noch nicht, wie stark die Strömung aus der Lagune ist, aber vom Tidenstand her sollte diese gerade nicht zu stark sein.

Wir sehen, wie eine Yacht aus der Lagune ausfährt und wie die SY Phönix mit Marius und Catalina im Pass vor uns verschwindet – also hinterher! Trotz der gerade optimalen Bedingungen finden wir die Brecher links uns rechts auf dem Riff schon beeindruckend und wir können erahnen, wie es hier unter anderen Wind- und Wellenverhältnissen zugehen muss.

Drinnen fahren wir durch die gut ausgetonnte Rinne zwischen den zwei südlichen Motus hindurch weiter in der Lagune. Der Anblick der markanten Felsen, die an der Südspitze der Hauptinsel am Mount Hotu Paraoa bis 250m ziemlich steil nach oben ragen, ist beeindruckend. Der Anker plumpst ins Wasser, wir sind da. Auf der einen Uferseite liegt der Ort Farauru, die andere Seite schimmert lange helltürkis, bevor das Wasser am Motu Tuanai den Strand erreicht.

Wir stimmen ab, ob der erste Ausflug in den Ort oder an Strand gehen soll, der Strand siegt. Diese unglaubliche Wasserfarbe ist anziehend. So wird am Nachmittag Bango klar gemacht und wir fahren Richtung Motu. Schon bald steigt der Meeresgrund an und eine flache Sandfläche liegt unter der Wasseroberfläche. Auf dem halben Weg zum Motu steigen wir schon aus, es ist so flach, dass selbst Ilka bequem laufen kann. Niklas zieht begeistert Bango hinter sich her.

Am Strand angekommen laufen wir um die Südspitze des Motus und blicken über das Außenriff zurück nach Bora Bora im Osten. Wir sammeln fette, dicke 'Dickmundmuscheln', sie liegen in beeindruckender Anzahl hier herum. Wir haben leider vergessen, wie die richtig heißen. Wir nennen sie immer so, da sie normalerweise leicht offen stehen und ihr Inneres wie dicke Lippen über die gewellten Schalenränder stülpen. Diese 'Lippen' sind schön gemustert und kommen in unglaublichen Blau- Türkis- oder auch Brauntönen vor. Auch eine dicke Kegelschnecke entdecken wir und viele, viele Einsiedlerkrebse. Zurück bei Bango kommt die Baulust bei der Crew hervor. Im flachen Wasser wird ein „Atoll“ gebuddelt. Strömungsversuche werden gestartet, aber die Tide ändert den Wasserstand zu wenig, als dass Ergebnisse erzielt werden können. Mittlerweile ist es auch spät geworden und wir wandern zurück Richtung Mango. Logisch, dass wir diese seichte Badewanne in den nächsten Tagen noch öfter genossen!

Unser nächster Ausflug führte uns am folgendem Morgen auf die Hauptinsel. Wir wanderten vom Zentrum Faraurus, wo wir Bango ließen, Richtung Süden entlang der Hauptstraße. Vorbei ging es an den Häusern, die überall in französisch Polynesien sehr ähnlich aussehen, es sind Einheitshäuser, welches überall nach Schäden durch Wirbelstürme gebaut werden. Es gibt sie in wenigen verschiedenen Größen aus vorgefertigten Wandelementen. Mit Blättern gedeckte Häuser sieht man nur noch ganz selten, das Wellblech dominiert. In den Vorgärten blüht es und uns fallen wieder die Gräber ins Auge. Traditionell werden in Polynesien die verstorbenen im Vorgarten beerdigt. Erst, wenn der Platz nicht mehr ausreicht, werden weitere Verwandte auf dem Friedhof beerdigt. Überall werden wir sehr freundlich gegrüßt und die Menschen sind unheimlich nett.

Laut Reiseführer sollen wir bei einem Basketballfeld einen Pfad finden, der uns zu Petroglyphen führen soll. Zum Glück erkennen wir rechtzeitig, dass der neue überdachte Basketballplatz an der Schule nicht im Reiseführer gemeint ist, sondern erst der um die nächste Ecke bei einer Kirche gelegene. Wir biegen in den Pfad ein, es gibt hier sogar ein Hinweisschild. Das ist, wie wir inzwischen wissen, eher selten in den Gesellschaftsinseln. Vorbei an zahlreichen Hühnern folgen wir einem Bach. Ein großer neuer Stein, in den sehr schön eine Schildkröte gemeißelt ist, weist alle Neugierigen darauf hin, dass es nicht mehr weit zu den Petroglyphen ist. Wir laufen allerdings prompt erstmal an den Petroglyphen vorbei und klettern im Bachbett ein ganzes Stück über Steine, bevor wir umdrehen, weil es uns falsch vorkommt weiter zu laufen. Peter entdeckt dann die richtige Stelle im Bachbett und später den Hinweisstein dazu. Die Petroglyphen zeigen Schildkröten und sind nett anzusehen, aber auch nicht gerade spektakulär. Zurück an dem Stein mit moderner Schildkröte machen wir eine Keks-Saft-Pause, bevor wir uns trennen. Peter folgt der Hauptstraße weiter herum um die Insel. Die Wanderung rundherum dauert etwa 3h, sie ist zu weit für Ilka und die Eltern haben keine Lust das Kind die ganze Zeit zu tragen. Karen geht deshalb im gemütlichen Kindertempo zurück zu Bango. Am Wegesrand entdecken wir noch viele lustige Dinge, bevor es zurück zu Mango geht.

Peter sieht dafür noch etwas versteckte Marae und viele Mangobäume am Tereia Beach, dem einzigen Strand der Hauptinsel. Klar, dass die Mangos gut schmecken!

Zurück in Faurua winkt Peter zu Mango und schwupps wird er schnell von Karen mit Bango wieder an Bord geholt. Ilka schlief derweil ihren Mittagsschlaf bewacht von Niklas, den man mittlerweile schon für kurze Zeiten alleine an Bord lassen kann.

Nachdem wir nachmittags wieder den Strand genossen, gönnten wir uns am Abend ein leckeres Essen an Land. Der Poisson Cru war wirklich gut!

Mit Marius und Catalina hatten wir uns am nächsten Morgen um 9:00 Uhr zum Wandern verabredet. Unser Ziel war der Mount Hotu Paraoa (250m). Mit so netter Begleitung wanderten unsere Kinder ganz fröhlich bergauf. Selbst Ilka war kaum zu halten, obwohl sie manchmal ganz schön klettern musste mit ihren kurzen Beinen. An einer sehr steilen Stelle ziemlich weit oben, wanderte sie dann auf Peters Rücken in die Manduka und so war sie als erste oben. Marius, der früher Kameramann war, machte viele schöne Bilder von uns, so dass dieser Reisebericht mal Bilder von allen aus der Familie in Aktion erhält.

Die Aussicht oben war wirklich toll. Allerdings versperrte die dicke Felsnase vor uns den direkten Blick auf den Pass in die Lagune. Umso schöner leuchtete die Lagune auf der Westseite der Insel. Hier ist es stellenweise sehr flach zwischen den Korallen. Unser Ankerplatz und das Dorf wirkte von oben schon ganz schön klein.

Zurück im Ort gingen wir noch ein wenig einkaufen und dann erholten sich die Füße erstmal von den Strapazen. Abends sind wir noch auf der SY Phönix zum Essen eingeladen. Catalina hat für uns ein ganz leckeres Hühnchen gekocht und dazu gibt es dicken Kartoffelbrei. Wir bringen noch Salat dazu mit. Lecker! Wir klönen noch lange und gucken einen kleinen Film, den das rumänische Fernsehen über die Phönix gedreht hat. Es war ein Teil einer ganzen Serie über deren erste Reise.

Der nächste Morgen bringt dicke Wolken und Schauer. Catalina interviewt Karen vor der Kamera von Mariua zu ihrem Seglerleben. Die beiden drehen und fotografieren viel, denn sie wollen wieder für das rumänische Fernsehen einen Film machen. Nach dem Interview wollten wir eigentlich los, aber angesichts der Wetterlage verschieben wir unsere Abfahrt spontan um einen Tag. So geht Peter nochmal letztes Obst und Baguette im Ort kaufen und am Nachmittag freuen sich die Kinder nochmal an ihrer „Badewanne“. Noch eine ruhige Nacht vor Anker und dann verlassen wir diese schöne freundliche Insel. Bei wieder ruhigem Wetter fahren wir durch den berüchtigten Pass hinaus auf den Pazifik. Wir verlassen damit französisch Polynesien und segeln ruhig unserem nächsten Ziel entgegen. Der Kurs ist abgesteckt auf Suwarrow, ein naturgeschütztes Atoll der nördlichen Cook-Inseln.