6. - 19. August 2011

Raiatea Teil 1

Rund um uns herum war kein Segelboot in Sicht, als am Morgen des 6. August die Sonne aufging. Wir hatten alle anderen Segler im Laufe der Nacht aus den Augen verloren. So segelten wir ganz alleine die letzten Meilen bis zum Passe Teavamoa im Südosten von Raiatea. Der Pass war gut ausgetonnt und unspektakulär. Unter Motor erkundeten wir die Hotopuu Baie, fanden aber keinen geigneten Ankerplatz. Entweder war es zu tief oder zu flach und riffig am Ufer. Unverrichteter Dinge fuhren wir weiter in die Baie Opoa. Dort ankerte der Katamaran IWII, Brasilianer, die am gleichen Tag mit uns durch den Panamakanal gefahren waren. Wir fanden dicht neben ihnen eine Stelle für unseren Anker, allerdings war das nur ein Tagesankerplatz. Neben uns ging es steil hinab und auf der anderen Seite war ein Riff am Ufer - kein Spielraum für größere Winddreher oder stärkeren Wind. Aber uns reichte dieser Platz erstmal, denn wir fuhren unternehmungslustig gleich an Land. Mit Bango ging es direkt zum Steg vor dem Marae Taputapuatea, dem größten der Insel. Die Marae waren Orte für religiöse und soziale Zeremonien der Polynesier. Meist sind diese rechteckig angelegt und an einer Seite befinden sich aufrechte Steine. Man findet auch immer Opfertische oder die Stelle, wo hölzerne Gestelle für Opfergaben bereitstanden. Die Architektur der Marae variiert innerhalb Polynesiens. Die Größe des Marae Taputaputea zeigt, welche Bedeutung dieses hatte. Auf Raiatea befand sich das religiöse Zentrum der Society Islands.

Auf großen Tafeln gab es viele Informationen zu den Marae und wir schlenderten ausgiebig über das gepflegte Gelände. Ein Baum am Ufer diente als Picknick-Platz mit Schatten. Wir hoben eine dicke Brotfrucht auf zum Abendessen, bevor es zurück zu Mango ging. Anker auf und los ging es zwei Buchten weiter in die Baie Faaroa. Hier ankerten wir geschützt für die Nacht. Zum Abendessen gab es Brotfruchtstücke mit leckerer Kokos-Curry-Bananen-Sauce. Mmmh!

Gleich am Morgen darauf starteten wir eine Flussexpedition. Der einzige größere Fluss, der mit einem Dinghy befahrbar ist, mündet in die Baie Faaroa. Durch Plantagen mit Bananen und anderen Früchten folgten wir dem braunem Fluss mit Bango. Erst ging es unter Motor, nachdem es zu flach für den Propeller wurde, legten sich Karen und Peter in die Paddel. Es war schön sich diesen kleinen Fluss zu erobern, bis wir durch Steine ausgebremst wurden. Ab dort war es endgültig zu flach für uns. So ging es wieder zurück unter Palmen und großen Strandhibiscusbüschen, vorbei an vielen Blumen. Viele Brotfruchtbäume säumten ebenfalls das Ufer. An einer Stelle am Ufer stiegen wir aus, aber dort flogen so viele Moskitos um uns herum, dass wir den Ort schnell wieder den Landkrabben überließen. Kurz darauf konnten wir aus nächster Nähe noch einen Kampf Ratte gegen Krabbe beobachten. Die Ratte hatte fast schon gewonnen, als ihr – durch unsere Nähe abgelenkt – die Krabbe doch noch entkam.

Zurück auf Mango gab es eine Familien-Grapefruit, bevor der Anker schon wieder hoch geholt wurde. Er plumpste nur 40min später ins klare Wasser südlich vom Motu Iriru, direkt am Iriru-Pass. Ein sehr schönes Plätzchen, der einzige Haken war, dass der Anker ziemlich am Abhang an der Riffkante auf 12m lag, wir 50m Kette draußen hatten und unter Mango schon 21m Wassertiefe war. Es ging also ziemlich flott herunter. Die Windvorhersage für die Nacht war schwach und aus Osten, dass wir trotzdem beschlossen zu bleiben, nachdem wir das Inselchen erkundet hatten. Wir vermurten allerdings unseren Zweitanker noch am Hauptanker, legten diesen noch weiter ins Flache und aktivierten unseren Ankeralarm am GPS. Eigentlich, dachten wir, könnten wir höchstens ins tiefere Wasser abdriften, falls der Anker nicht halten sollte.

In der Nacht kam der Wind dann allerdings doch etwas anders. Gegen 23:30 Uhr drehte er auf West (in der Südostpassat-zone!), zum Glück nur mit 4-5Knoten. Etwas später drehte er südlich mit 12-15 Knoten, so dass wir parallel zur Riffkante lagen. Peter guckte lieber alle Stunde nach draußen, es war kein so richtig gutes Gefühl dort zu ankern. Wir vermuteten aber, dass Wind aus solchen Richtungen hier nicht so stark werden kann und blieben. Die Alternative wäre gewesen, unserer Spur auf dem Kartenplotter zurück zu unserem alten Ankerplatz zu folgen. Ohne diese Möglichkeit hätten wir diesen unsicheren Ankerplatz auch schon im Hellen verlassen, denn mitten in der Nacht zwischen den Riffen herumzufahren und einen neuen Ankerplatz zu suchen wäre unverantwortlich. Die Anker hielten aber und am nächsten Morgen war wieder ein leichter Ostwind. So brausten wir nochmals mit Bango zum Motu, plantschten, schnorchelten und enterten das Wrack eines Katamarans, welches dicht am Motu im Sand hinterm Riff versank.

Obwohl es uns hier sehr gut gefiel, wollten wir doch nicht noch so eine Nacht, holten wir lieber unsere Anker auf und fuhren nach Uturoa, dem Hauptort von Raiatea. Hier legten wir direkt am Anleger am Hafen an, dieser ist kostenlos nutzbar und der nächste Supermarkt befindet sich auf der anderen Straßenseite vom Hafen. Sehr praktisch! Die Marina von Uturoa ist auch keine Alternative dazu, denn in dieser gibt es nicht richtig Platz für Gäste. Zum einen gibt es eine Charterbasis, die einen großen Teil ihrer Yachten offensichtlich gerade nicht verchartert hatte. Zum anderen lag eine große Zahl von Langfahrtseglern im Hafen, die aussahen, als wenn sie hier schon ziemlich lange gestrandet waren. Einen Hafenmeister gibt es nicht, sein Office und die Sanitären Anlagen sehen ziemlich verlassen aus. Ein ziemlich trauriger Anblick, fanden wir.

Gut mit frischen Lebensmitteln für die nächsten Tage versorgt, segelten sehr gemütlich am nächsten Tag 7sm weiter. Raiatea liegt zusammen mit der Nachbarinsel Tahaa innerhalb eines gemeinsamen Riffgürtels und so folgten die nächsten Tage noch häufiger sehr gemütliche Fahrten ohne den Schwell vom Pazifik.

 

Rund Tahaa

Tahaa ist die Vanilleinsel, hier wird sehr viel Vanille angepflanzt. Vanilleanbau hatten wir schon in Moorea studiert und so kam es, dass wir letztendlich gar keinen Fuß auf diese Insel setzten, obwohl wir sie segelnd umrundeten. Zuerst ankerten wir nördlich vom Toahotu-Pass an der Ile Mahaea. Am Motu südlich vom Pass war offensichtlich alles privat und Ankerlieger nicht erwünscht. Wir waren uns an der Ile Mahaea auch nicht ganz sicher, ob wir sie betreten durften, aber zum Glück konnten wir die polynesischen Schilder nicht verstehen. So setzten wir einfach unseren Fuß auf die Insel. Dieses taten wir ebenfalls am folgenden Tag und am Nachmittag entdeckte Peter auf der Ostseite eine ganz tolle Schnochelstelle. Schöne Korallen und viele, viele Fische. Karen und Niklas mussten dort am nächsten Tag ebenfalls nochmal schnorcheln, bevor es weiter ging nördlich um Tahaa herum zur Ilot Tautau.

Hier blieben wir drei Nächte und freuten uns, dass wir jeden Tag viel Geld sparten, denn wir ankerten kostenlos vor einem Nobelhotel. Die Hütten, die man dort mieten konnten, kosteten angeblich so um die 1000$/Nacht und wir lagen eben so schön. Ok, es kam kein Zimmermädchen zu uns rüber und das Buffet war vielleicht drüben etwas üppiger...

Der Ankerplatz war so reizvoll, da sich zwischen der Ilot Tautau und dem Motu nördlich davon der sogenannte Korallengarten befindet. Wir landeten mehrmals am nördlichen Motu mit Bango und schnorchelten dort. Peter und Karen liefen jeweils quer übers Motu und stiegen dann ins Wasser zum Schnorcheln. Mit der Strömung, die entsteht, da ständig Wasser über das Riff nach innen schwappt, konnte man durch den Korallengarten hindurch zurück an den kleine Strand schnorcheln, wo Niklas und Ilka spielten. Die Korallen waren sehr schön, aber es war ganz schön eng und flach dazwischen. Man kam sich ein wenig wie im Irrgarten vor, da der Ausgang aus dem Labyrinth nicht ganz eindeutig war. Immerhin konnte man immer wieder auf kleinen sandigen Stellen sich hinstellen und voraus gucken. Wenn man eine Weile ruhig stehen blieb, kamen jede Menge farbenfrohe Fische neugierig ganz nahe heran.

Niklas und Karen schwammen einmal gemeinsam gegen die Strömung von der Strandseite gemeinsam zum Ende des Korallengartens. So konnte Niklas die vielen Fische ebenfalls gut bewundern und ein wenig die schönen bunten Korallen. Es ist nämlich nicht so, dass überall an den Riffen tolle bunte Korallen zum Schnorcheln sind. Oft sieht man nur vereinzelte Korallen oder nur welche von einer Sorte, große Flächen sind mit Korallenschutt bedeckt und nur von wenigen Algen bewachsen. Fische gibt es aber trotzdem häufig. Richtig schön bunt und abwechslungsreich ist es leider nur noch an wenigen Stellen. Wirbelstürme zerstören gerne mal die lebendigen Riffe und es dauert, bis sich neue Korallen danach bilden. Ob der Klimawandel ebenfalls schon zuschlägt, dass können wir nicht richtig beurteilen, aber viele erzählen einem, dass die Riffe früher viel schöner waren...

Am ersten Abend auf diesem Ankerplatz sahen Karen und Peter noch im Dunkeln bei Mondschein einen Mantarochen vorbeigleiten, der bestimmt 2,5m Spannweite hatte. Er schien durch das spiegelglatte Wasser zu schweben und hob sich deutlich gegen den sandigen Untergrund ab. Leider waren die Kinder zu dem Zeitpunkt schon im Bett und später kam keiner in der Größe mehr vorbei.

An dem gleichen Abend verabschiedet sich dann leider auch unser zweiter Laptop. Karen tippte gerade am Reisebericht, der Bildschirm flackerte einmal und zeigte nur noch ganz viele Minibilder nebeneinander. Kein Tastendruck mochte etwas ausrichten. Ein Neustart brachte den Rechner leider gar nicht wieder zum Laufen, er griff nur kurz auf der CD-Laufwerk, zeigte keine Bios-Meldung mehr und blieb schwarz... Wie ärgerlich, wo wir doch gerade unsere Lohnsteuererklärung machten. Es half aber alles nicht, auch der Austausch mit Teilen vom unserem anderen kaputten Laptop brachte das Teil nicht wieder in Gang.

Damit war klar, dass wir als nächstes wieder nach Uturoa fahren würden, nachdem wir den Korallengarten ausgiebig beschnorchelt hatten.

 

Raiatea Teil 2

Wir fuhren also am Sonntag, 14.8., nach Uturoa, um gleich am nächsten Tag einen neuen Rechner kaufen zu können. Wir wussten leider nicht, dass der Montag Feiertag war, so dass nichts mit einkaufen war. Die katholische Prozession konnte uns da eher nicht entschädigen. Und Uturoa hat außer Läden wenig als Stadt zu bieten. Hier klappen sich in Nullkommanichts die Bürgersteige hoch, wenn die Läden schließen. Dabei ist es die zweitgrößte Stadt nach Papeete in den Gesellschaftsinseln. Unglaublich, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, wie ausgestorben die Stadt dann wirkt.

Wir kamen am Nachmittag auf die schöne Idee den Hausberg von Uturoa zu besteigen. Leider fanden wir den Anfang vom Weg hinauf auf den Tapioi nicht gleich und irrten etwas hin und her. Damit schritt die Zeit voran, so dass wir sehr sportlich den Berg (ca. 250m) erklommen. Peter nahm Ilka auf dem Rücken in der Manduka mit hoch und Niklas sprintete mit Karen hinterher... Oben belohnte uns eine ganz tolle Aussicht. Man sah nach Tahaa und das Riff auf der Ostseite der Inseln. In der Ferne waren Bora Bora und Huahine zu sehen. Der Saft und die Kekse schmeckten bei dieser Aussicht ausgezeichnet. Wir hatten uns dort oben wahrlich eine Pause verdient. Herunter ging es deutlich entspannter und im Dunkeln erreichten wir Mango. Freudig schlüpften unsere heißen Füße aus Sandalen und Crocs. Karen und die Kids stellten diese ordentlich an Deck, Peter zog seine zum Glück im Cockpit aus.

Der nächste Morgen zeigte dann, dass die Warnung vom Tankstellenbesitzer am Anleger, dass wir lieber unsere Angel etwas wegräumen und abschließen, wenn wir nicht da sind, nicht zu unrecht geschah. Karens Sandalen waren nämlich über Nacht vom Deck verschwunden. Das war schon ärgerlich, denn gute Wandersandalen gab es nicht in Uturoa und absehbar wahrscheinlich nicht vor Neuseeland. Ab nun hieß es für Karen also Crocs oder Badelatschen tragen, oder die richtigen Wanderhalbschuhe anziehen. Außer es war möglich barfuß zu laufen, was wir ja zum Glück ziemlich oft können.

Erfreulich war in Uturoa, dass wir am Dienstag tatsächlich einen neuen Laptop kaufen konnten. Das Einrichten vom Rechner dauerte natürlich dann seine Zeit. Immerhin hatten wir keine Datenverluste zu beklagen, da das meiste gesichert und der Rest von der alten Festplatte auslesbar war. Unser Rechner ist wichtig, da wir nicht nur per Internet (wenn es denn einen Zugang gibt) kommunizieren, sondern auch das Wetter damit abrufen. Außerdem ist es unser Backup für den Kartenplotter, da der Rechner ebenfalls mit einem GPS-Gerät verbunden ist. Ohne Rechner fühlt man sich in Segelzeiten vor vielen Jahren zurückgesetzt, als man nur Wetterberichte per Radio empfing und die Hoch- und Tiefdruckgebiete dann teilweise selbst interpretierte. Heutzutage bekommen wir die Windprognose für eine Woche, als wir vor acht Jahren unterwegs waren, waren es noch nur für drei Tage. Als Kind in der Ostsee hörte man den Wetterbericht für den aktuellen und die Tendenz für den folgenden Tag. So ändern sich die Zeiten, aber ohne Rechner nützt es ziemlich wenig ...

Ach ja, einen netten Zahnarzt mit ziemlich moderner Praxis gibt es in Uturoa ebenfalls. Peter hatte die unfreiwillige Ehre diesen kennenzulernen, da ein Teil von einer Krone meinte, abbrechen zu müssen. Dieser Teil von unserem Programm in Uturoa war zum Glück blitzschnell abgehakt. Wenn man in einem Ort mit vielen Läden liegt, ergibt es sich immer, dass man noch dieses und jenes einplant zu erledigen, und so waren wir ziemlich beschäftigt. Außerdem brachten wir unsere Steuererklärung zur Post, die hatte uns ebenfalls Zeit gekostet.

Wir schafften es Uturoa drei Tage später wieder zu verlassen. Unser nächster Stopp war auf der Westseite von Raiatea vor den Werften in Uturaerae. Wir wollten mal gucken, was die Shipchandler dort so im Angebot hatten. Peter und Niklas fuhren gleich mit Bango hinüber an Land. Dort trafen sie Herwig, der seinen Katamaran Jonathan dort bis Oktober zurücklassen wollte. Er empfahl Peter, dass er mal wegen unserem leicht losen Wellenlager einen von der Werft fragen sollte. Wir waren uns nämlich nicht sicher, wie dringend wir daran gehen sollten. Peter hatte es beim Schnorcheln um Mango gesehen, dass dieses nicht ganz richtig saß. Das Ende vom Lied war, dass Peter mit einem Termin zurück kam um Mango an Land zu reparieren. Leider erst für die folgende Woche. Früher hatten sie keine Zeit für uns, es wurde uns aber empfohlen, das Lager dringend zu wechseln! Wir planten daraufhin also im Süden von Raiatea nochmal gemütlich zu Ankern und die Zeit für Pflegearbeiten an Mango zu nutzen.

Am nächsten Morgen beschloss Peter noch auf die Nachbarwerft zu gehen, wir hatten anfänglich gar nicht so richtig realisiert, dass es sich um zwei Werften handelte. So kam es, dass wir sofort das Schiff klar machen konnten und um kurz nach 11:00 Uhr mit Mango an Land standen. Wir blieben in den Gurten vom Travellift und wurden nur leicht abgestützt. Peter hatte zum Glück keinerlei Probleme beim Abziehen vom Propeller und einsetzen eines neuen Lagers. Er sicherte dieses dann ordentlich mit zwei Schrauben, wofür er vorher neue Gewinde geschnitten hatte. Unser Voreigner hatte das alte Lager nämlich nicht korrekt installiert, dieses war überhaupt nicht gesichert gegen herausrutschen. Keine vier Stunden später konnte Mango schon wieder schwimmen und wir ankerten auf unserem alten Platz für eine weitere Nacht.

Unser letzter Ankerplatz bei Raiatea fand sich am nächsten Tag nördlich der Ile Tahunaoe am Pass Rautoanui. Das Schiff wurde vom Landdreck befreit, Wasser und Wäsche gemacht. Niklas, Ilka und Peter erkundeten das Motu, während Karen in Ruhe putzte. So konnten wir dann am folgenden Tag blitzblank den Weg nach Bora Bora antreten. Die Insel mit ihrem markanten Berg in der Mitte hatten wir nun lange genug von Ferne betrachtet, wir wollten sie endlich von Nahen sehen. Bora Bora ist neben Tahiti ja wohl die bekannteste Insel mitten im Pazifik. Im nächsten Reisebericht erzählen wir dann, was wir dort alles erlebt haben.